Qualität von Coaching-Weiterbildungen – Das Coaching-Index-Qualitätsmodell

Der deutschsprachige Coaching-Weiterbildungsmarkt ist in den letzten Jahren deutlich expandiert und bietet eine schwer überschaubare Fülle unterschiedlicher Angebote. Vielen Interessenten fällt es schwer, das passende Angebot zu finden oder sich in der Vielzahl der Anbieter zu entscheiden. 

Zwar gibt es eine Menge unterschiedlicher Zertifikate, die von verschiedenen Verbänden und nahezu jedem Anbieter ausgestellt werden – ein wissenschaftlichen Kriterien genügendes System zur Messung der Qualität von Coaching-Weiterbildungen* fehlte jedoch bisher. Im Rahmen seiner Dissertation über Qualitätsstandards von Coaching-Weiterbildungen hat Christopher Rauen daher das Coaching-Index-Qualitätsmodell entwickelt, das seriöse und inhaltlich relevante Aussagen erlaubt, die darüber hinaus statistisch abgesichert sind. Im Folgenden soll das Qualitätsmodell vorgestellt werden. 

Was ist Qualität?

Im Gegensatz zu physikalischen Gütern ist die Qualität von Weiterbildungen nicht ohne weiteres definierbar. Hier gibt es keine Einheiten von Millimeter, Gramm oder Kubikzentimeter, die relativ genau messbar sind. Zwar wird immer wieder über Qualität bzw. Qualitätsmanagement gesprochen, was sich letztlich jedoch hinter dem Begriff der Qualität verbirgt, erweist sich bei genauerer Betrachtung überwiegend als unklar. Bei einem vergleichsweise einfachen physikalischen Objekt – z.B. einer Schraube – lässt sich die Qualität einfach definieren. Je näher die Schraube an den Vorgaben einer technischen Spezifikationen liegt (z.B. ihre genaue Größe, Gewicht, Materialzusammensetzung), desto höherwertig ist ihre Qualität. Die Spezifikation wiederum setzt sich zusammen aus den gewünschten Produkteigenschaften. Eine Schraube, die z.B. Salzwasserkontakt hat, sollte aus anderem Material bestehen als eine Schraube, die große Hitzbeständigkeit aufweisen soll.

Überträgt man diese Gedanken auf den Bereich von Coaching-Weiterbildungen, bedeutet dies, dass man zunächst klären muss, was genau überhaupt als qualitätsbestimmend anzusehen ist; und weiterhin benötigt man ein Messverfahren, das in der Lage ist, diese qualitätsbestimmenden Faktoren zuverlässig zu erfassen. Und schließlich sollte dieses Messverfahren – wenn es am Markt zu irgendeiner Orientierung taugen sollte – Vergleiche zulassen, die eine Einschätzung der am Markt vorhandenen Coaching-Weiterbildungen ermöglichen.

Messung von Qualität

Um ein derartiges Verfahren zu entwickeln, das sowohl qualitativ als auch quantitativ die Qualität von Coaching-Weiterbildungen erfassen kann, wurden von Christopher Rauen mehrere Untersuchungen durchgeführt. Ziel der Untersuchungen war es, die für Coaching-Weiterbildungen tatsächlich relevanten Qualitätsdimensionen zu identifizieren und ein inhaltlich relevantes und statistisch abgesichertes Messverfahren zu entwickeln, welches die Güte von Coaching-Weiterbildungen zuverlässig erfasst.

Ferner sollte das Modell Hinweise geben, wie sich Coaching-Weiterbildungen in qualitativer Hinsicht unterscheiden und mit welchen Maßnahmen sich die Qualität von Coaching-Weiterbildungen effektiv steigern lässt, damit den Coaching-Weiterbildungsanbietern ein Instrument zur systematischen Optimierung ihrer Weiterbildung gegeben werden kann.

Kritik an bestehenden Verfahren

Leider sind bisher am Markt vorhandene Verfahren oft von Einzelinteressen geleitet und ihre Entstehung entzieht sich jeglicher Überprüfung auf inhaltliche und formale Plausibilität. Dies gilt z.B. häufig für Modelle, die mit Zertifizierungsstufen o.ä. arbeiten oder bei denen wenige Experten die Beurteilung vornehmen. Die inhaltliche Ausprägung der Stufen und deren Unterschiede leiten sich dabei letztlich meist aus willkürlichen Annahmen ab, die primär Lobbyinteressen widerspiegeln. Aussagekraft und Vergleichbarkeit, Reliabilität, Validität und Objektivität und der tatsächliche Nutzen sind oftmals fragwürdig.

Ein weiterer gängiger Fehler bestehender Zertifizierungsverfahren ist, dass diese keine Rücksicht auf individuelle Unterschiede nehmen, z.B. im konzeptionellen Ablauf einer Coaching-Weiterbildung, sondern stattdessen durch inhaltliche Normierungen und vorgegebene Standards Qualität suggerieren wollen. Dies wird oftmals mit dem Hinweis auf den "Bologna-Prozess" zu begründen versucht, was jedoch keine plausible Begründung ist. Es handelt sich hierbei um einen politischen und keinen wissenschaftlichen Ansatz, der formal-reduktionistisch orientiert ist. In solchen Normierungsprozessen geht jedoch meist genau das verloren, was in Weiterbildungen als inhaltlich wertvoll angesehen werden kann. Im Endergebnis wird eine Scheinqualität produziert und ausgewiesen, die eine willkürliche Form von Qualität beschreibt, faktisch aber ihrer inhaltlichen Aussage beraubt wurde und keine Akzeptanz im Markt findet.

Ergebnisqualität ist ungenügend

Fast alle Zertifizierungsverfahren fokussieren zudem einseitig auf die Ergebnisqualität, d.h. auf die Fähigkeiten und Eigenschaften der Absolventen. Solche Fähigkeits-Eigenschaftsmodelle entsprechen dem wissenschaftlichen Stand der 60er Jahre und können als antiquiert betrachtet werden. Derartige Kompetenzmodelle sind für die Beurteilung einer Coaching-Weiterbildung schlichtweg ungenügend. Selbst wenn eine Weiterbildung durchgängig hervorragende Absolventen vorweisen kann, belegt dies nicht zwingend die Güte der Weiterbildung. Es wäre z.B. auch denkbar, dass die Absolventen bereits vor der Weiterbildung hochkompetent waren.

Entscheidend für die Güte einer Weiterbildung ist vielmehr, wie und in welcher Weise dort Befähigung ermöglicht wird (ansonsten zertifiziert man Auswahlprozesse – auch ein wichtiges Themenfeld, aber nicht der Kern von Weiterbildung). Kurzum: Bei Weiterbildungen müssen daher auch Aspekte von Struktur- und Prozessqualität erfasst werden – dies belegen auch die wissenschaftlichen Untersuchungen zur Qualität von Coachings von Heß & Roth (2000), Schmidt (2003) und Jansen, Mäthner & Bachmann (2004) (siehe www.coaching-literatur.de).

Ablauf der Coaching-Index-Untersuchungen

Ausgehend von einer zweijährigen Literaturrecherche in den Jahren 2003–2004 (bzgl. Coaching-Wirksamkeitsforschung, Qualitätsmanagement in der Weiterbildung, Qualitätsstandards in der Psychotherapieausbildung und Qualitätsstandards in der Supervisionsausbildung) konnten 326 potenzielle Qualitätskriterien identifiziert werden. Über eine Befragung von 72 Coaching-Experten (Frühjahr bis Herbst 2005) wurden diese 326 potenziellen Qualitätskriterien um weitere, den Experten wichtig erscheinende Aspekte ergänzt und sämtliche Kriterien hinsichtlich ihrer Bedeutsamkeit bewertet. Anschließend wurden alle irrelevanten Qualitätskriterien ausgefiltert und dieses Vorgehen mittels einer Effektgrößenanalyse abgesichert und bestätigt.

In einer weiteren, vollständig offenen Befragung mit zehn Coaching-Experten wurden zudem weitere potenzielle Qualitätskriterien ungestützt abgefragt und bewertet. Zielsetzung dieser Befragung war es, keine relevanten Qualitätskriterien zu übersehen und die bisherigen Ergebnisse zu überprüfen. Als Ergebnis dieser Befragungen konnten die vorhandenen Kriterien abermals ergänzt und bzgl. ihrer Bedeutsamkeit bewertet werden. Auf der Basis dieser Angaben konnte ein Fragebogen für die folgende Hauptuntersuchung konstruiert werden, der die 158 bedeutsamsten Qualitätskriterien umfasste.

Die Hauptuntersuchung

In der Hauptuntersuchung wurden im Zeitraum von Oktober 2005 bis Juli 2006 insgesamt 975 Teilnehmer von Coaching-Weiterbildungen sowie 87 Lehr-Coaches per Fragebogen (Papier- und Onlineversion) anonym befragt. Die Teilnehmer und Lehr-Coaches wurden über zahlreiche Medien und Berufsverbände informiert. Zudem haben sich 43 Coaching-Weiterbildungsanbieter im Direktkontakt bereit erklärt, ihren Teilnehmern den Fragebogen in einer Printversion auszuhändigen. Unter Berücksichtigung der Verschiedenheit und der Reichweite der Informationskanäle kann davon ausgegangen werden, dass ein überwiegender Teil des Marktes über die Untersuchung informiert war. Die Stichprobe kann somit als repräsentativ angesehen werden, zumal sie insgesamt die Angaben von über 180 Coaching-Weiterbildungsanbietern umfasst – bei einem Gesamtmarkt von ca. 300 Anbietern.

Den Ausbildungsanbietern war es durch die offene Form der Befragung nicht möglich, unliebsames Feedback zu unterdrücken.

Ergebnisse

Mit den in der Hauptuntersuchung gewonnen Daten – insgesamt über 170.000 Einzelantworten – wurde eine explorative Faktorenanalyse gerechnet. Dabei handelt es sich um ein statistisches Verfahren, das die Auswertung auch großer Datenmengen ermöglicht und mit dem einzelne Bewertungskriterien zu Faktoren zusammengestellt werden können. Mit Hilfe des sog. Varimax-Rotationsverfahrens wurden die Faktoren dabei so konstruiert, dass sie statistisch weitgehend unabhängig voneinander sind. Jeder Faktor besitzt somit einen eigenständigen Informationsgehalt. D.h. aus der Ausprägung eines bestimmten Faktors kann nicht automatisch auf die Ausprägung eines anderen Faktors geschlossen werden.

Faktorenanalyse

Als Ergebnis der Faktorenanalyse mit Varimax-Rotation konnten 12 Faktoren identifiziert werden, die über 50% der Datenvarianz aufklären und mit denen die Qualität von Coaching-Weiterbildungen beschrieben werden kann. Der erste Faktor (Generalfaktor) wurde in vier Subfaktoren zerlegt, um eine bessere inhaltliche Interpretation zu gewährleisten. Die weiteren elf Faktoren konnten erhalten bleiben. Auf diese Weise ergaben sich 15 (Sub-)Faktoren, die klar den Qualitätsdimensionen der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität zugeordnet werden konnten. Damit bestätigte sich auch die Annahme, dass zur Beurteilung der Qualität von Coaching-Weiterbildungen die Ergebnisqualität nicht ausreicht.

Die grafische Übersicht der gefundenen Faktoren und Qualitätsdimensionen:

Coaching-Index-Qualitätsmodell von Christopher Rauen
(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Das Coaching-Index-Qualitätsmodell

Das mit Hilfe der explorativen Faktorenanalyse entwickelte Coaching-Index-Modell zeigt, dass Qualität im Verständnis der Teilnehmer aus unterschiedlichen Faktoren besteht, die unabhängig voneinander sind. Ein hoher Faktorwert bedeutet also nicht automatisch auch ein gutes Abschneiden in den anderen Faktoren, so dass sehr spezifische Profilbildungen möglich sind.

Dieses Modell bleibt auch dann stabil, wenn man die Einschätzungen der Ausbildungsanbieter mit einbezieht. Die Vorstellung dessen, was in dem Modell für die Qualität als bedeutsam angesehen wird, ist somit zum einen differenziert ausgeprägt und zum anderen gibt es keine Hinweise darauf, dass Ausbilder Qualität anders verstehen als die Teilnehmer. Stattdessen scheint es eine große Übereinstimmung über die Faktoren zu geben, welche die Qualität einer Coaching-Weiterbildung bestimmen.

Darüber hinaus sind die Reliabilitätswerte für die einzelnen Faktoren überwiegend gut bis sehr gut, was eine entsprechend zuverlässige Messung ermöglicht (im Gegensatz zu anderen Verfahren, die z.B. "Tagesform" messen).

Validierungen

Um die Ergebnisse der Faktorenanalyse zu überprüfen, wurden vom Oktober 2006 bis Juni 2007 vier Coaching-Weiterbildungsgruppen mit insgesamt 42 Personen befragt. Die Gruppen bestanden aus Personen, die am Ende ihrer Coaching-Weiterbildung standen und zuvor an keiner Befragung im Rahmen der vorigen Untersuchungen teilgenommen hatten. Die Personen wurden offen befragt, woran sie als Teilnehmer einer Coaching-Weiterbildung erkennen, welche Qualität diese hat und woran konkret sich die Qualität erkennen lässt. Im Ergebnis konnten alle Qualitätsfaktoren des Coaching-Index-Modells bestätigt werden.

Tabellarische Übersicht der gefundenen Faktoren und Qualitätsdimensionen:

Zum besseren Verständnis der Qualitätsdimensionen mit ihren jeweiligen Qualitätsfaktoren werden diese folgend detailliert dargestellt:

Qualitätsdimension "Strukturqualität"

In der Qualitätsdimension "Strukturqualität" finden sich fünf Faktoren, die beschreiben, was man benötigt, um eine gute Coaching-Weiterbildung durchzuführen. Die fünf Faktoren sind:

Faktor "Kompetenz der Lehr-Coaches"

Die Faktorenanalyse bestätigt mit der Kompetenz der Lehr-Coaches ein auch augenscheinlich richtiges Beurteilungskriterium für die Güte einer Weiterbildung. Zu diesem Faktor gehören Kommunikationsfähigkeiten, die Fähigkeit zur Selbstreflexion, Konfliktbewältigungskompetenz, Beobachtungsgabe, Lebenserfahrung und persönliche Reife, diagnostische Kompetenzen, pädagogisches und didaktisches Können, gute Vorbereitung, Flexibilität in der Vorgehensweise, rhetorische Gewandtheit, psychologisches Wissen sowie Moderations- und Präsentationsfähigkeiten.

Faktor "Markt-Image"

Dieser Faktor präzisiert, woran die vorhandene Kompetenz der Lehr-Coaches von den Teilnehmern festgemacht wird, solange man die Lehr-Coaches noch nicht persönlich kennt (also i.d.R. vor der Weiterbildung). Dabei ist folgendes ausschlaggebend: Kooperationen mit anderen Weiterbildungseinrichtungen, öffentliche Vorträge und Informationsveranstaltungen, Empfehlungen durch KollegInnen des Anbieters und Publikationen des Weiterbildungsanbieters bzw. seiner Lehr-Coaches in Fachzeitschriften.

Faktor "Marketing-Aktivitäten"

Bei diesem Faktor zeigt sich, dass das Image eines Coaching-Weiterbildungsanbieters deutlich zur empfundenen Qualität beiträgt. Je bekannter ein Anbieter ist und desto positiver sein Image eingeschätzt wird, umso vorteilhafter ist die Qualitätseinschätzung. Naheliegend ist auch der Umkehrschluss: Je besser ein Anbieter ist, desto bekannter wird er und desto positiver entwickelt sich sein Image. Hier finden sich gängige Image-Dimensionen wie "fair", "sympathisch", "seriös und vertrauenswürdig", "kompetent", "innovativ", "flexibel", "erfahren und praxisorientiert".

Faktor "Prägnante Außendarstellung"

Dieser Faktor präzisiert, über welche Marketing-Aktivitäten das Image und das Kompetenzimage vermittelt werden. Von maßgeblicher Bedeutung sind hier die Güte des Internet-Auftritts, ein wiedererkennbares Logo und Informations- bzw. Werbebroschüren.

Faktor "Räume und Ausstattung"

Hier sind die Klimatisierung und Beleuchtung der Räume, die technische Ausstattung, arbeitsgerechte Stühle und Tische, ein Arbeiten ohne äußere Störeinflüsse, genügend große sowie eine ausreichende Anzahl von Räumen und genügend Visualisierungsmaterialien entscheidend. Auffällig: der Einsatz von technischen Geräten wie z.B. Beamer, Videokamera, TV usw. hat keinen maßgeblichen Einfluss auf die Qualität. Ein entsprechendes Equipment ist "nice to have", aber nicht von elementarer Bedeutung. Man könnte daraus auch schlussfolgern, dass Technik bzw. die Art der eingesetzten Medien eben keine Inhalte ersetzen, sondern bestenfalls unterstützen können.

Dimension Prozessqualität

Diese Qualitätsdimension bezieht sich auf alle Prozesse, die notwendig erscheinen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Grundfrage: Wie führt man eine Coaching-Weiterbildung durch?

Faktor "Beziehungsqualität der Lehr-Coaches  zu TeilnehmerInnen"

Die Beziehungsqualität zwischen den Teilnehmern und Lehr-Coaches ist von großer Bedeutung für die Qualität einer Coaching-Weiterbildung. Diese Bedeutsamkeit (bzw. die Existenz) dieses Faktors deckt sich mit den Ergebnissen aus dem klinischen Kontext, in denen die Beziehungsqualität den größten Varianzanteil unter den gestaltbaren Faktoren aufweist (Hubble, Duncan & Miller, 1999 - The Heart and Soul of Change. What Works in Therapy? Washington, DC: APA). Für die Beziehungsqualität ist es notwendig, dass die Lehr-Coaches über Beziehungsgestaltungskompetenzen verfügen, vertrauenswürdig und authentisch sind und das Verhältnis zu den Teilnehmern durch Vertrauen, Akzeptanz Wertschätzung, Offenheit und Ehrlichkeit, konstruktive Zusammenarbeit, Sympathie und persönliche Passung geprägt ist.

Faktor "Beziehungsqualität in der Teilnehmergruppe"

Neben der Beziehung zu den Lehr-Coaches ist die Beziehung innerhalb der Teilnehmergruppe bedeutsam. Arbeitsfähige Gruppen zeichnen sich dadurch aus, das Vertrauen und Akzeptanz, Offenheit und Ehrlichkeit, Sympathie, Wertschätzung, Zusammenarbeit und Gleichwertigkeit gegeben sind. In Fern- und Einzel-Weiterbildungen ist diese Skala natürlich nicht erfassbar. Da derartige Ausbildungen aber nur ca. 3% der am Markt vorhandenen Coaching-Weiterbildungen ausmachen, ist dieser Umstand vernachlässigbar.

Faktor "Gegenseitige Erwartungs- und Zielklärung"

Maßgeblichen Einfluss auf die Prozessgüte hat die Erwartungs- und Zielklärung. Damit ist sowohl gemeint, deutlich zu überprüfen, welche Erwartungen ein Teilnehmer an die Weiterbildung stellt, als auch welche Erwartungen an die Teilnehmer gestellt werden. Dazu sollten sich die Lehr-Coaches vor der Weiterbildung ein genaues Bild von den Teilnehmern machen (z.B. durch Fragebögen oder Interviews) und verständlich darüber aufklären, welche Ziele durch die Weiterbildung erreichbar sind.

Faktor "Transparente Teilnahmebedingungen"

Dieser Faktor präzisiert, ob und wie deutlich mit den Teilnehmern die Rahmenbedingungen bzgl. der Kosten und Nebenkosten (z.B. für Zertifikate, Einzel-Coachings, Supervision, Unterkunft, Verpflegung), Stornogebühren und der Dauer der gesamten Weiterbildung geklärt wurden, um unliebsame Überraschungen möglichst auszuschließen.

Faktor "Coaching-Übungen"

Hierunter fallen alle konkreten Aktivitäten, die für die Durchführung eines Coachings von Belang sind. Dies umfasst z.B. die Durchführung und schriftliche Dokumentation eigener Coaching-Fälle, dass Verfassen einer Abschlussarbeit bzw. Absolvieren einer Abschlussprüfung, die Erledigung von "Hausaufgaben" zwischen den Abschnitten der Weiterbildung und das Üben konkreter Coaching-Situationen während der Weiterbildung.

Dimension Ergebnisqualität

Die Ergebnisqualität bezieht sich auf den Grad des erreichten Ergebnisses einer Coaching-Weiterbildung, z.B. anhand eines Vorher-Nachher-Vergleichs (hier zeigt sich, wie wichtig es im Sinne einer Evaluation sein kann, bereits bei der Erwartungs- und Zielklärungen eine entsprechende Dokumentation zu starten).

Grundfrage: Was ist das Ergebnis einer Coaching-Weiterbildung?

Faktor "Spezialtechniken"

Ein Merkmal von Ergebnisqualität ist der Erwerb methodischer Kompetenz. Interessanterweise wird hier zwischen speziellen Coaching-Methoden und Grundtechniken unterschieden. Die Coaching-Methoden umfassen dabei z.B. das konfrontative Arbeiten, den Einsatz von Rollenspielen, die Visualisierung komplexer Zusammenhänge und Zielsetzungsmethoden.

Faktor "Grundtechniken"

Die Grundtechniken unterscheiden sich von den Spezialtechniken, da hier grundlegende kommunikative Kompetenzen vermittelt werden, auf denen spezifische Methoden dann aufbauen. Zu den Grundtechniken gehören das aktive Zuhören, Fragetechniken, Feedback geben und Anregen von Reflexionen.

Faktor "Coaching-Kompetenz"

Dieser Faktor klärt, ob am Ende der Weiterbildung ein Teilnehmer in der Lage ist, eigenständig komplexe Coachings durchzuführen und als Coach zu arbeiten. Dazu gehört auch, dass dem Teilnehmer klar geworden ist, mit welchen Klienten und Methoden er erfolgreich arbeiten kann und dass er ein eigenes Coaching-Konzept entwickelt hat, welches ein individuelles Verständnis von Theorie, Methoden und Techniken ausdrückt. Idealerweise ist zudem eine Einbindung in ein vorhandenes Netzwerk gegeben.

Faktor "Persönliche Entwicklung"

Neben der Coaching-Kompetenz erwarten die Teilnehmer von Coaching-Weiterbildungen auch eine persönliche Entwicklung und Reifung. Konkret drückt sich dies so aus, dass man am Ende der Weiterbildung bewusster handelt und denkt und die eigene Selbstreflexionsfähigkeit stärker ausgeprägt wurde. Dies geht für den Teilnehmer einher mit dem Erkennen neuer Aspekte über sich selbst (beruflich als auch privat) und dem weiteren Entwicklungs- und Lernbedarf. Daraus resultiert auch eine "Berufshygiene", die ein gesundes Berufsleben und Berufsentwicklungen stärkt (auch im Sinne einer Vorbeugung z.B. gegenüber Burnout).

Faktor "Gesamtzufriedenheit"

Die Gesamtzufriedenheit mit einer Coaching-Weiterbildung drückt sich insbesondere in Form der Empfehlungsbereitschaft aus, d.h. wie sehr ein Teilnehmer bereit ist, "seine" Weiterbildung an Dritte zu empfehlen und aus Zufriedenheit "Mundpropaganda" zu betreiben. Zur Gesamtzufriedenheit gehört aber auch ein allgemeiner "Wohlfühlfaktor", die abwechslungsreiche Gestaltung der Weiterbildung sowie der Einsatz transparenter und erklärbarer Methoden und die Vermittlung einer angemessene Haltung für den Methodeneinsatz.

Fazit

Mit dem Coaching-Index-Qualitätsmodell liegt nun ein Messverfahren vor, welches nach wissenschaftlichen Prinzipien entwickelt wurde. Die Faktoren, die die Qualität bestimmen, wurden nicht allein durch Experten- oder Einzelmeinungen geschaffen, sondern fußen auf der empirischen Basis der Angaben von 975 Teilnehmern von Coaching-Weiterbildungen und 187 Ausbildungsanbietern. D.h. das Verfahren erfasst, was der gesamte Markt und nicht einzelne Interessengruppen als qualitätsrelevant erachten. 

Durch die breite Datenbasis liegen Benchmarkdaten vor, die den Ausbildungsanbietern nun eine direkte Rückmeldung darüber ermöglichen, wo sie im Markt stehen. Durch die Gewichtung der Faktoren ist es ferner möglich, Ausbildungsanbietern ein gezieltes Controlling-Instrument an die Hand zu geben, das ihnen zeigt, in welchem Bereich Qualitätsverbesserungen die größte Hebelwirkung entfalten. Denn nicht jede Qualitätsverbesserung wird auch notwendigerweise als solche wahrgenommen. Das Coaching-Index-Modell zeigt, an welcher Stelle Qualität tatsächlich spürbar wahrgenommen wird und ggf. verbessert werden kann. Somit eröffnet sich für die Interessenten die Möglichkeit, gezielt die Ausbildungen ausfindig zu machen, die ihren Qualitätsansprüchen am ehesten gerecht werden.

Die Vorteile des Coaching-Index-Qualitätsmodells im Überblick:
  • Inhaltlich und statistisch abgesichert
  • Konstruktion der Faktoren gemäß Sparsamkeitsprinzip
  • Benchmarkdaten für den deutschsprachigen Markt vorhanden
  • Geeignet zur Evaluation und zum Bildungs-Controlling
  • Individuelle Profilbildung möglich

Online-Fragebogen

Personen, die eine Coaching-Ausbildung absolviert haben und diese bewerten möchten, können bereits jetzt via Online-Fragebogen ihre Bewertung unter folgender Adresse abgeben:

*Der allgemein gebräuchliche Begriff "Coaching-Ausbildung" ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht korrekt. "Coaching" ist bisher keine Profession, daher gibt es auch keine (Berufs-)Ausbildung dazu. Korrekt ist somit der Begriff "Coaching-Weiterbildung". Da die entsprechenden Angebote im Markt überwiegend jedoch nicht als Weiterbildungen wahrgenommen werden (z.B. im Sinne einer Weiterbildung zum Vertiefen einer Gesprächstechnik), wird im umgangssprachlichen Sprachgebrauch primär der Begriff "Coaching-Ausbildung" verwendet. 

Links

Das Coaching-Index-Qualitätsmodell. Coaching-Newsletter, Jg. 7, September 2007. http://www.coaching-newsletter.de/archiv/2007/2007_09.htm
Das Coaching-Index-Qualitätsmodell – Teil II. Coaching-Newsletter, Jg. 7, Oktober 2007. http://www.coaching-newsletter.de/archiv/2007/2007_10.htm

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